Hochhaus am Heumarkt: Auch Weisselbad Fall für Staatsanwalt?

Jetzt dürfte es eng werden für jene 51 Wiener SPÖ- und Grün-Mandatare, die nach ihrem kürzlichen Abstimmungsverhalten im Wiener Gemeinderat betreffend die Errichtung eines heftig umstrittenen Hochhauses auf dem Gelände des Wiener Heumarktes dafür verantwortlich sind, dass das Welterbe „Historisches Zentrum von Wien“ vom UNESCO-Welterbekomitee auf die „Rote Liste“ der gefährdeten Welterbestätten gesetzt wurde.
 

Was ja gleichbedeutend mit der demnächst zu erwartenden Aberkennung des Welterbeprädikats sein dürfte. Deshalb hat die List Rechtsanwalts GmbH im Namen der „Initiative Denkmalschutz“ am 7. Juli bei der Staatsanwaltschaft Wien gegen die 51 Gemeinderäte von SPÖ und Grünen eine Sachverhaltsdarstellung betreffend § 302 Strafgesetzbuch (Amtsmissbrauch) eingebracht. In der Sachverhaltsdarstellung wird darauf hingewiesen, dass die 51 Gemeinderäte vor Ihrer Entscheidung seitens der List Rechtsanwalts GmbH mehrmals darauf hingewiesen worden seien, dass die Welterbekonvention in Österreich im Gesetzesrang steht (BGBl 60/1993) und die Stadt Wien verpflichtet ist, das Weltkulturerbe zu schützen, zu erhalten und an kommende Generationen weiterzugeben.
 
Aus gegebenem Anlass präsentieren jetzt die beiden Floridsdorfer Bezirksräte der Bürgerpartei WIFF – Wir für Floridsdorf ein – ebenso unverständliches – Gegenbeispiel: „Auf der einen Seite riskieren die regierenden Stadtpolitiker wissentlich die Zerstörung des Weltkulturerbe-Status, andererseits frönen sie auf Kosten der Steuerzahler der völlig unsinnigen, aber sündteuren Erhaltung von nicht denkmalgeschützten Hausfassaden wie etwa beim ehemaligen Floridsdorfer Weisselbad“, kritisieren Schimanek und Turtenwald in diesem Fall speziell Wohnen-Stadtrat Ludwig.
 
Dieser hatte das ehemalige Bad „zwecks Ermöglichung der Errichtung von Sozialwohnungen“ (O-Ton Ludwig) um weit weniger als der Hälfte des wahren Grundstückswertes an eine „befreundete“ Wohnbaugenossenschaft verschleudert. Allerdings mit der kostspieligen Auflage, dass bei der Errichtung der Wohnhausanlage ein Teil der Fassade des ehemaligen Weisselbades erhalten bleiben müsse. Dies trotz der Tatsache, dass das alte, nicht mehr sanierungswürdige, Gebäude nicht unter Denkmalsschutz stand. „Der ‚Initiative Denkmalschutz‘ wünschen wir jedenfalls mit ihrem Vorhaben bei der Wiener Staatsanwaltschaft viel Erfolg. Gleiche Aktivitäten von WIFF im Falle des Weisselbades mit hieb- und stichfesten Beweismittel wurden ja seitens der STA Wien mit einer Einstellung des Verfahrens quittiert“, so die beiden Bezirkspolitiker abschließend. Sie wollen den „Fall Weisselbad“ dennoch weiter betreiben.