“Was wollen diese Leute von mir, ich hab’ ja gar nichts angestellt” – Bezirksrat Schimanek und sein „Interview mit einem Heiligen“

Es war 1989 und es war in Rom. Und es war eine Weltsensation! Unser WIFF-Bezirksrat Hans-Jörg Schimanek, damals ORF-Journalist, führte eines von nur zwei Exklusiv-Interviews, die der damalige Papst Johannes Paul II jemals gab. Kommenden Sonntag wird Johannes Paul II heilig gesprochen. In einem aktuellen Gespräch schildert Schimanek, wie es zu seinem „Interview mit einem Heiligen kam“!

Schimanek führte das Interview mit dem Papst im April 1989 namens des ORF in der Privatbibliothek des Papstes. Dieses Ereignis wurde damals als internationale Mediensensation bezeichnet, da der Heilige Vater bis dahin nur ein einziges exklusives TV-Interview (nach seinem Amtsantritt für einen US-Sender) gewährt hatte und sich sonst stets nur auf seine Pressekonferenzen im Vatikan und während seiner Auslandsreisen beschränkte.

Ein Auszug aus dem aktuellen Interview mit Schimanek: „Die erste Aktion des Papstes, als er – begleitet von zwei Sekretären – zum Interview in seine Privatbibliothek eintrat: Er ging ein paar Schritte auf unser Team zu, blieb dann stehen und wandte sich fragend an seine beiden Begleiter: „Was wollen diese Leute von mir, ich hab‘ ja gar nichts angestellt“.

Das Video der damaligen Zeit-im-Bild-Sendung gibt es auf unserer Facebook-Seite! https://www.facebook.com/WiFF21

Interview mit einem Heiligen

Was hat ein Wiener Bezirkspolitiker mit Papst Johannes Paul II zu tun? Sehr viel! Hans-Jörg Schimanek, WIFF-Parteiobmann und Bezirksrat in Floridsdorf, hat 1989 als einer von nur zwei (!!!) Journalisten weltweit ein persönliches Interview mit dem polnischen Papst geführt. Im Gespräch erzählt Schimanek über sein “Interview mit einem Heiligen” und die typisch österreichische Entstehungsgeschichte.

Herr Schimanek, 1989 waren Sie ja noch nicht Politiker, sondern ORF-Journalist.

Hans-Jörg Schimanek: Richtig. Ich war seit 1964 beim ORF. Zuerst in der Sportredaktion und danach im Aktuellen Dienst. 1989 habe ich die Redaktion der Sendung Argumente mit Walter Schiejok gemacht!

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Das heute legendäre Interview

Nun sollten wir den Jüngeren erklären, dass die Bezeichnung Exklusiv-Interview nicht wie heute ein Marketing-Schmäh ist. Schon allein die Tatsache, dass dieses Gespräch zustande kam, ist herausragend. Erklären Sie uns, wieso …

Schimanek: Der Heilige Vater hatte bis dahin nur ein einziges exklusives TV-Interview gewährt. Und zwar nach seinem Amtsantritt für einen US-Sender. Die Journalisten hat ihn allerdings, heute würde man sagen, gelegt. Als Konsequenz hat er sich danach nur auf seine Pressekonferenzen im Vatikan und während seiner Auslandsreisen beschränkt. Auch nach dem Interview mit mir gab es keine persönlichen Journalisten-Gespräche mit Johannes Paul II. Es ist eines von nur zwei Exklusiv-Interviews, die dieser Papst jemals gewährt hat. Und es ist ganz sicher das Highlight meiner journalistischen Laufbahn.

Dann liegt jetzt die Frage nahe, warum hat ausgerechnet Hans-Jörg Schimanek einen dieser beiden Termine erhalten? Sind Sie mit Karol Józef Wojtyła (bürgerlicher Name des Papstes) verwandt?

Schimanek: Nein (lacht). Die Geschichte beginnt in der Südstadt in Mödling. Ich war damals ehrenamtlicher Funktionär bei Admira Wacker. Zu einem der Spiele kam Bischof Kurt Krenn. Der war damals noch Weihbischof von Wien. Wir haben uns damals noch nicht gekannt, aber der Präsident von Admira Wacker hat zu mir gesagt: “Du bist Medienmann – rede du mit Krenn.” Also habe ich mit ihm geredet, über Fußball, Gott und die Welt. Aus diesem Treffen am Fußballplatz sind dann viele sehr lange und intensive Gespräche geworden. Bald darauf war “Kirchenaustritte” das Thema einer Argumente-Sendung. Zur Vorbereitung habe ich mich natürlich auch mit Bischof Krenn getroffen. Es war ein sehr, sehr langes Treffen, am Naschmarkt – bis 3 Uhr früh. Er wollte wissen, wie viele Zuschauer unsere Sendung denn haben werde. Wenn es gut geht, schaffen wir eine Million habe ich ihm erklärt und mehr im Spaß gefragt: Wissen Sie, wie wir zwei Millionen erreichen? Er hat natürlich nein gesagt. Und ich habe gesagt: Mit einem Papst-Interview!

Seine Reaktion?

Schimanek: “Er hat schallend gelacht. Natürlich hat er auch gewusst, dass der Papst keine Interviews gibt.”

Und warum hat es dann doch geklappt?

Schimanek: Zwei, drei Tage darauf – es war ein Donnerstag – ruft mich Krenn an und sagt, wie der Zufall so will, ist er am Wochenende in Rom und er wird schauen, ob er was erreichen kann. Am Samstag ruft er wieder an: ‘Es schaut gut aus – Details, wenn ich zurück in Wien bin.” Eigentlich habe ich mir noch nichts dabei gedacht. Außer, wahrscheinlich bin ich einer der 300 Journalisten, die bei der Pressekonferenz im Saal sitzen dürfen. Am Montag hat er mir dann erklärt, ich habe ein Exklusiv-Interview bei Johannes Paul II.

Jetzt müssen Sie aber verraten, wie hat Krenn das geschafft?

Schimanek: Nachträglich habe ich herausgefunden, Krenns Sekretär kennt den x und der ist y beim Papst!

Beim ORF haben sie Sie bei der Ankündigung des Interviews wohl auf Schultern über den Küniglberg getragen, oder?

Schimanek: Im Gegenteil. Ich bin zu Teddy Podgorski gegangen, der war damals Generaldirektor des ORF: “Teddy, ich hab ein Exklusiv-Interview mit dem Papst.” Er hat so laut gelacht, dass wirklich die Wände gewackelt haben. Er hat mir dann erklärt, dass hat er auch schon mal geglaubt und dann war er einer der 300 im Saal. Fazit war: Nach Rom reisen durfte ich. Sie haben mir aber weder ein Kamera-Team, noch einen Fotografen mitgegeben. Podgorski meinte, falls ich wirklich ein Interview habe, soll ich mir ein Team mieten.

Bevor es nach Rom ging, haben Sie noch ein Geschenk besorgt.

Schimanek: Alle Winzer aus dem Waldviertel habe ich eingeladen, einen große Geschenkkiste für den Papst zu füllen. Das ist so gelaufen, dass der Sohn vom Wirt in Gobelsburg Zettel gezogen hat, welcher Winzer Wein in die Kiste legen darf. Wer wird als Erster gezogen? Der Pater xxx vom Stift Zwettl. Und das sollte noch Folgen haben, weil…

Langsam – dazu kommen wir noch. Wie ging es in Rom weiter?

Schimanek: Ich musste dem Pressechef des Papstes, Navarro Valls, zuvor die Fragen an den Papst schicken. Es waren dann aber auch andere dabei. Da das Interview auch für die damals in Vorbereitung befindliche Sendung “Argumente” zum Thema Kirchensteuer war, charakterisierte ich dem Papst unsere Sendung etwa so: “Wir versuchen Ungerechtigkeiten im täglichen Leben aufzuzeigen, den Betroffenen zu helfen und den Verursachern auf die Finger zu klopfen”.

In Rom angekommen habe ich dann ein deutsches Kamera-Team organisiert. Als ich denen erklärt habe wofür, haben sie sich auch fürchterlich zerkugelt und gemeint: “Na klar. Hauptsache, Sie zahlen!” Der hat an einen Aprilscherz geglaubt. Also habe ich alles weiter organisiert. Und dann kam der Tag der Wahrheit.

Und Sie hatten bis dahin keine Zweifel, dass Sie das Interview wirklich bekommen werden?

Schimanek: Na und wie. Spätestens als die Empfangschefin im Vatikan, eine Nonne, ebenfalls fürchterlich zu lachen begonnen hat, als ich ihr den Grund des Besuches genannt habe. Der Deutsche vom Kamera-Team hat nur gegrinst. Und ich habe mich schon im Saal bei 299 anderen Journalisten gesehen. Dann ist Navarro Valls gekommen, hat uns quer über den Platz geführt, die Schweizer Garde hat salutiert und plötzlich standen wir in der Vatikanischen Bibliothek. Links und rechts nur Kardinäle. Und der Deutsche flüstert: “Jetzt glaube ich’s auch!” Wir gehen an den Kardinälen vorbei und plötzlich geht eine Tür für uns auf und der Papst kommt raus!

Die nächste Frage ist nahe liegend: Und wie war’ so?

Schimanek: Er hat zuerst gebückt gewirkt, sich dann aufgerichtet und hatte eine unglaubliche Ausstrahlung. Die erste Aktion des Papstes, als er – begleitet von zwei Sekretären –zum Interview in seine Privatbibliothek eintrat: Er ging ein paar Schritte auf unser Team zu, blieb dann stehen und wandte sich fragend an seine beiden Begleiter: “Was wollen diese Leute von mir, ich hab’ ja gar nichts angestellt”. Wortwörtlich. Insgesamt waren wir 17 Minuten in der privaten Bibliothek des Papstes, 12 Minuten hat das Interview gedauert. Am Ende habe ich den Papst gefragt, ob ich ihm noch ein Geschenk überreichen darf. Durfte ich. Wir machen die Kiste mit den Weinen auf, als oberstes die von Stift Zwettl. Und der Papst sagt: “Ja der Pater xxx, der versteht sein Geschäft”. Stellt sich raus, der Papst kennt den Pater wirklich. Weil der war quasi sein Mundschenk? beim Papstbesuch in Österreich…

Und das Interview wurde ein Erfolg…

Schimanek: Dieses Ereignis wurde damals als internationale Mediensensation bezeichnet. Ein ZIB-Beitrag wurde am 11. April ausgestrahlt und auch vom ZDF übernommen. Wenige Tage später wurde das gesamte Gespräch in der Sendung “Orientierung” gebracht. International hat sogar ein Zeitung in Chile berichtet. Und beim ORF haben sich natürlich einige gefragt, warum und wie hat das ausgerechnet der Schimanek geschafft…

Danke für das Gespräch.