„Bürgermeister“ für Ludwig noch längst nicht „in trockenen Tüchern“ – Benötigt werden 51 von 100 Stimmen im Gemeinderat

Die vielen „Steuerzahler-Euro“, die in den letzten Jahren von „Wiener Wohnen“ und „befreundeten“ Wohnbaugesellschaften in Form von Zeitungsinseraten in die Aufbereitung des Aufstiegs vom Wohnen-Stadtrat zum Bürgermeister Ludwig geflossen sind, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Seitenweise „gute Presse“ werden Ludwig wohl auch bis zum „Tag der Entscheidung“, dem 24. Mai, begleiten.

 
An diesem Tag soll sich im Wiener Gemeinderat entscheiden, ob Ludwig künftig den Platz von Michael Häupl einnehmen wird. Doch so sicher, wie es manchen Medien zu entnehmen ist, scheint die Sache längst nicht. Immerhin benötigt Ludwig, um Bürgermeister zu werden, zumindest 51 Stimmen der insgesamt 100 Wiener Gemeinderäte. Doch die SPÖ selbst verfügt lediglich über 44 Mandatare und mit den Grünen ergäbe sich eine Mehrheit von 55 Stimmen.
 
Aber selbst die Ankündigung Ludwigs, er wollen die Koalition mit Grün bis 2020 fortsetzen, garantiert mit Sicherheit nicht alle Grün-Stimmen. Noch weniger sicher sind dem Wohnen-Stadtrat alle Stimmen der eigenen Fraktion. Zu tief sind nach wie vor die Gräben innerhalb der Partei, wo ihm vor allem die Art der Demontage etwa seiner Stadtratskollegen und Kolleginnen wie Brauner, Frauenberger oder von Landtagspräsident Kopietz durch den – wie es heißt – „gekauften“ Einsatz einiger Medien vorgeworfen wird.
 
Aber auch die Stimmen der FPÖ, die er sich noch 2015 bei seiner Wahl zum Stadtrat durch „gute Worte“ gesichert hatte (Ludwig 81 Stimmen, Häupl 57, Brauner 56 usw…), werden ihm diesmal versagt bleiben, zumal ihm die „Blauen“ seinen jüngsten Umfaller („Keine Koalition mit der FPÖ…“) nicht vergessen werden.
 
Bleiben noch ÖVP und NEOS. Diese beiden Parteien wären aber schlecht beraten, für Ludwig – und damit für eine weitere rot&grüne Rathauskoalition – zu stimmen. Immerhin müssten sie dann spätestens im Jahr 2020 mit der „Rache“ ihrer eigenen Wähler rechnen.
 
Einzige Garantie für Ludwig, sein Ziel zu erreichen, wäre ein Pakt mit der FPÖ. In diesem Fall könnte der dann Neu-Bürgermeister umgehend die Koalition mit den Grünen platzen und letztlich sogar für ihn vielversprechende Neuwahlen ausrufen lassen. Denn der „Hinausschmiss“ der Grünen würde sicherlich wieder viele an die FPÖ verloren gegangene Rot-Stimmen zurück bringen bzw. Nichtwähler aktivieren. Ob allerdings da die FPÖ mitspielt, ist fraglich. Denn dann würde ihr Streben nach der Vorherrschaft in Wien bzw. in weiteren Bezirken wohl in weite Ferne rücken. Ein Schuss ins eigene Knie also…
 
Angesichts dieser Situation erscheint es durchaus denkbar, dass Ludwig am 24. Mai „durchfällt“ und Michael Häupl vorerst weitermachen muss. „Falls nicht doch ein Pakt mit der FPÖ gelingt, wird wohl die entscheidende Frage sein: Stellen die von Ludwig ins Abseits gestoßenen Mandatare und deren Getreue bei der Wahl des Bürgermeisters im Gmeinderat die Parteiräson über ihre Aversion gegen den gefinkelten Genossen und Faymann-Intimus und Schwager aus Floridsdorf?“, sind die beiden WIFF-Bezirksräte Hans Jörg Schimanek und Ossi Turtenwald von ihrer Beobachterposition „Erste Reihe fußfrei“ aus überzeugt.
 
„Wir sind aber ebenso überzeugt, dass man einem Wohnen-Stadtrat, der sein eigenes Ressort – siehe Wiener Wohnen – nicht einmal annähernd im Griff hat, keinesfalls den Chefposten in der Weltstadt Wien anvertrauen sollte. Dazu wäre das Risiko denn doch zu groß“, so die beiden Bezirkspolitiker abschließend.
Foto: Die Presse