Die durch das „soziale Netz“ fallen… – WIFF: „Mehr Engagement und Einfühlvermögen statt 08/15-Bürokratie gefragt!“

Seit nunmehr neun Jahren leidet die 74jährige Floridsdorferin Elisabeth Z. an der von der Medizin in vier Stufen eingeteilten heimtückischen und letztlich unheilbaren Lungenerkrankung COPD. Laut ärztlichem Gutachten lautet der Status der Frau auf „Stufe 4“.
 
In ihrer Gemeindewohnung in Strebersdorf stehen fix zwei große Sauerstoffgeräte – mit jeweils einem davon ist sie mittels einem viele Meter langen, durch die ganze Wohnung reichenden, Kunststoffschlauch verbunden, da sie rund um die Uhr auf die künstliche Zufuhr von Sauerstoff angewiesen ist. Zusätzlich besitzt Elisabeth Z. auch ein kleines mobiles Gerät mit einer Wirkungsdauer von vier Stunden.
 
„Doch diesen Apparat kann ich leider nicht mehr nutzen, da ich seit mittlerweile eineinhalb Jahren mangels eines Aufzugs meine im 1. Stock gelegene Wohnung praktisch nicht mehr verlassen kann. Es wäre mir einfach unmöglich, die 24 Stufen vom Eingang bis zu meiner Wohnung zu bewältigen“, erzählt die Frau im Gespräch mit WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek und klagt, wie sehr sie dieser Zustand bereits psychisch belaste.
 
Seitens des Fonds Soziales Wien hat die unheilbar Kranke daher kürzlich eine bis zum Jahr 2024 geltende Gutschein-Genehmigung für die regelmäßige Inanspruchnahme eines Fahrtendienstes für private Fahrten erhalten, was sie sich ob ihrer kleinen Rente selbst nicht leisten könnte. „Doch die Freude darüber, endlich wieder hinaus, sozusagen unter die Leut’, zu kommen, währte nur kurz“, so Elisabeth Z., „denn alle von mir kontaktierten Fahrtendienste teilten mir mit, Abholungen und Rückführungen nur im Falle einer komplett barrierefreien Lage meiner Wohnung zu tätigen. In meinem Fall müsste ich zusätzlich zum Gutschein mit 100 bis 120 Euro pro Ausfahrt rechnen, wofür ich selbst aufzukommen hätte“.
 
Für WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek steht fest: „Trotz des durchaus engmaschigen Sozialnetzes der Stadt Wien beweist das gegenständliche Beispiel, dass in Einzelfällen wie diesem statt Bürokratie etwas mehr Logik und Einfühlungsvermögen der amtshandelnden Personen gefragt ist. Daher mein Appell an Sozialstadtrat Hacker: Helfen Sie mit, dieser unheilbar kranken Frau ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden auch lebenswert zu gestalten. Ihnen fällt dazu bestimmt etwas ein. Etwa der Tausch in eine barrierefrei Wohnung oder die Installierung eines Treppenliftes über 24 Stufen, den sie in Begleitung einer Person nutzen könnte“, so Schimanek mit der Anmerkung: „Trotz großzügiger Bundes- und Landesförderungen für solche Einrichtungen ist Frau Z. angesichts ihrer mageren Rente leider nicht in der Lage, für den nach meinen Recherchen letztlich verbleibenden Selbstbehalt in Höhe von sechs- bis achttausend Euro aufzukommen“.
 
Aber auch der Verein „BIZEPS – Zentrum für selbstbestimmtes Leben“ muss sich Kritik gefallen lassen. „Wenn sich die Cousine der Patientin vertrauensvoll an diesen sicherlich mit entsprechenden öffentlichen Förderungen dotierten Verein um Rat wendet, darf man doch wohl mehr als die lapidare Antwort erwarten: ‚Sehr geehrte Frau…! Ja das ist in Wien wirklich ein Problem; häufig wird auf teure Rettungsdiensten verwiesen. – Mit freundlichen Grüßen…‘“, so Schimanek. – Fotos: Robert Hubac.

 

– Fotos: Robert Hubac.