Ehemaliges Floridsdorfer Tröpferlbad wird zum „Kriminalfall“

Stadt Wien verkaufte das Areal um nur 909.000.– Euro ohne Ausschreibung, obwohl auf dem freien Markt bis zu 2,8 Mio zu erzielen gewesen wären.

97 Jahre schrieb das im Jahr 1907 Ecke Brünner Straße / Weisselbasse eröffnete und 2004 endgültig geschlossene Weisselbad, im Volksmund stets „Floridsdorfer Tröpferlbad“ genannt, einschlägige Geschichte. Das „letzte Kapitel“ – beginnend mit dem Jahr 2004 – ist allerdings bis heute noch nicht zugeschlagen. Denn noch immer ist nicht klar, warum die Stadt Wien das gesamte Areal am 19. Februar 2013 an die Gemeinnützige Wohnbaugesellschaft GEWOG – Neue Heimat um nur 909.000.– Euro verkauft hat. Obwohl auf dem freien Markt hiefür nach bisherigen Recherchen bis zu 2,8 Millionen zu erzielen gewesen wären.

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Hier die Chronologie der Geschehnisse:
2004 wurde das zuletzt nur noch als Sauna von wenigen Besuchern genutzte Bad aus durchaus verständlichen wirtschaftlichen Gründen geschlossen, zumal für einen weiteren Betrieb hohe Investitionen erforderlich gewesen wären. Das Floridsdorfer Bezirksparlament sprach sich in der Folge einhellig für einen Erhalt des Gebäudes aus. Gewünscht wurde eine neue, größere Bleibe für die Musikschule des Bezirks sowie die Unterbringung der im Schlingerhof aus allen Nähten platzenden Städtischen Bücherei.

Trotz diesbezüglicher einstimmiger Beschlüsse und oftmaliger Urgenzen wurden die Bezirksvertreter seitens der Stadtregierung (StR. Laska, StR. Oxonitsch) Jahre lang hingehalten. Wohl auch mangels spürbaren Einsatzes von StR. Ludwig, selbst Floridsdorfer und Chef der hiesigen SPÖ-Bezirkspartei. Erst kurz vor dem Verkauf des Areals an die GEWOG wurde die Bezirksvertretung von einem geplanten Wohnbauvorhaben informiert, am 19. Februar 2013 ging der Verkauf endgültig über die Bühne.

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WIFF wollte daher in einer offiziellen schriftlichen Anfrage an den Bezirksvorsteher die Höhe des Verkaufspreises wissen. In einer zweiten Anfrage wurde u. a. die Beantwortung der Frage eingefordert, an wen verkauft wurde, ob der Verkauf öffentlich ausgeschrieben worden sei – und wenn nicht, warum.

Die erste Anfrage beantwortete der Bezirksvorsteher nach Rückfrage im Rathaus mündlich:
Das Areal Weisselbad wurde um 909.000.– Euro verkauft.

Die zweite WIFF-Anfrage wurde von StR Ludwig höchstpersönlich – und schriftlich – wie folgt beantwortet :

Frage:
An wen wurde verkauft?
Antwort: Der Verkauf der in Rede stehenden Liegenschaft wurde an „Gewog – neue Heimat“ mit Beschluss des Gemeinderatsausschuss für Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung genehmigt.

Frage:
Hat es eine offizielle Verkaufsausschreibung gegeben?
Antwort:
Ein offizielles Bestbieterverfahren hätte die Entwicklung eines geförderten Projektes verunmöglicht. Da an diesem Standort ein gefördertes Projekt errichtet werden soll, wurde davon Abstand genommen.

Frage:
Was ist auf diesem Areal geplant?
Antwort:
Auf diesem Areal ist die Errichtung von geförderten Wohnungen geplant.

Frage:
Stand bzw. steht das Gebäude unter Denkmalschutz?
Antwort:
Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz.

StR Ludwig hat somit schriftlich bestätigt, dass die Stadt Wien unter Verzicht eines offiziellen Bestbieterverfahrens auf bis zu rund 2 Mill. Euro Mehrerlös verzichtet hat…

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Für WIFF ist diese Vorgangsweise nicht nachvollziehbar. „Offenbar haben Ludwig&Co. nicht daran gedacht, dass man den Mehrerlös von bis zu zwei Millionen in ein anderes gefördertes Vorhaben – wegen günstigerer Grundkosten vielleicht nicht gerade im Bezirkszentrum – einbringen und damit für die künftigen Mieter eine Kostenreduktion erreichen hätte können“, so die beiden Bezirksräte Hans Jörg Schimanek und Ossi Turtenwald. Sie sind auch davon überzeugt, dass ein noch höherer Verkaufspreis als 2,8 Mio zu erzielen gewesen wäre. Denn die Tatsache, dass für die in dieser Gegend bekanntlich wohl unanbringbar gewesenen beiden geplanten Gassenlokalitäten mit der Städtischen Bücherei und der Mietervereinigung bereits zwei fixe Langzeitmieter feststehen, bedeute eine ungemeine Wertsteigerung!
Unsinnige „Prestige“-Fassade auf Kosten der künftigen Mieter.

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Ein Gustostückerl in Sachen Geldverschwendung ist der auf Stadtratswunsch erhalten gebliebene Fassadenteil des ehemaligen Weisselbades. Obwohl das Gebäude – wie auch StR Ludwig in Beantwortung der WIFF-Anfrage bestätigte – nicht unter Denkmalschutz stand, soll dieser Fassadenteil als Erinnerung an das ehemalige Weisselbad in das neue Wohnobjekt integriert werden. „Was nach unseren Ermittlungen mit gewaltigen zusätzlichen, aber durchaus verzichtbaren Kosten verbunden ist. Allein die Stahlstützen mussten für das Vorhaben eigens angefertigt werden“, so Schimanek und Turtenwald, die jetzt gemeinsam mit WIFF-Neo-Bezirksrätin Jasmin Turtenwald eine lückenlose Prüfung durch den Rechnungshof fordern. „Die Wiener Steuerzahler haben ein absolutes Recht darauf!“

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