Es war einmal… – Das traditionsreiche Weissel-(Tröpferl-)bad muss Wohnbau weichen

Es war einmal… – Das traditionsreiche Weissel-(Tröpferl-)bad muss Wohnbau weichen. Ungereimtheiten beim Verkauf an eine Wohnbaugesellschaft durch Stadtrat Ludwig.

Auf dem Areal des ehemaligen Weisselbades, von älteren Floridsdorfern noch liebevoll als „Tröpferlbad“ bezeichnet, sind derzeit die Abbruchmaschinen im Einsatz. Lediglich ein kleiner Teil der Fassade soll in den Neubau – sozusagen als Erinnerung – integriert werden.
Jetzt könnte sich der „Fall Weisselbad“ allerdings zu einer Kriminalstory ausweiten.

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Alle Bilder: Joschi Tuczai

WIFF präsentiert den Sachverhalt:

Ursprünglich hatte sich der Bezirk einhellig das Weisselbad als Unterkunft für die aus allen Nähten platzende Floridsdorfer Musikschule und die ebenfalls unter Platznot leidende Städtische Bücherei gewünscht und dies auch durch entsprechende Anträge an die Verantwortlichen im Wiener Rathaus untermauert. Mehrere Jahre – und Anfragen – dauerte es schließlich, bis Wohnen-Stadtrat und Floridsdorfer SPÖ-Bezirksparteiobmann Ludwig 2012 die Fakten auf den Tisch legte: Das Weisselbad sei verkauft worden.

In einer Anfrage an den Stadtrat im Herbst 2012 wollten daher die beiden WIFF-Bezirksräte Hans Jörg Schimanek und Ossi Turtenwald u. a. wissen, an wen verkauft wurde und ob der Verkauf öffentlich ausgeschrieben worden sei.

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In seiner Anfragebeantwortung teilte Ludwig mit Schreiben vom 13. Dezember 2012 mit, dass das Gebäude samt Grundstück an die Wohnbaugesellschaft „Gewog – neue Heimat“ verkauft worden sei. Und die WIFF-Frage nach der ev. Ausschreibung beantwortete der Stadtrat wie folgt:
„Ein offizielles Bestbieterverfahren hätte die Entwicklung eines geförderten Projektes verunmöglicht…“

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Eine weitere Anfrage von WIFF, welcher Betrag durch den Verkauf erlöst worden sei, ließ Ludwig vom damaligen Bezirksvorsteher Lehner in seinem Auftrag am 6. November 2913 in der damaligen Sitzung der Bezirksvertretung

mündlich beantworten: Danach betrug der Verkaufserlös € 909.000.–.

„Offensichtlich ist sich der Ludwig der Tragweite seines Handelns – und das zum finanziellen Nachteil der Stadt Wien – überhaupt nicht bewusst“, sagen dazu Hans Jörg Schimanek und Ossi Turtenwald. Sie haben daher bei einem anerkannten Grundstücks- und Wohnbauexperten berechnen lassen, welcher Betrag im Falle einer öffentlichen Verkaufsausschreibung zu erzielen gewesen wäre.

Weisselbad-Ludwig

Hier die detaillierte Berechnung des Sachverständigen:

Grundstücksfläche gesamt: 1.489 m2
Bauklasse III = 5 Etagen
Zu verbauende Fläche für Wohnbau: 633m2
75% der zu verbauenden Fläche wurde als erzielbare Nutzfläche bewertet, das ergibt bei 5 Etagen gesamt 2.375m2 Gesamtnutzfläche
Als Neubauwert wurde – tiefst angesetzt – ein zu erzielender Verkaufspreis von € 3.000.– pro m2 zu Grunde gelegt
Gesamt könnten bei diesem Projekt für den Errichter € 7,125.000.– Mio. zu erzielen sein
Somit ergibt sich laut unserem Experten für das Grundstück ein zu erzielender Kaufpreis zwischen – gering geschätzt – 1,3 und 1,5 Mio Euro

Somit hat Stadtrat Ludwig beim Verkauf des Weisselbades zum Schaden der Stadt Wien zumindest auf knapp € 400.000.– verzichtet.

Schimanek und Turtenwald an die Adresse des Wohnbaustadtrates: „Bei einer öffentlichen Ausschreibung wären daher im Gegensatz zu den durch die freihändige Vergabe tatsächlich erzielten € 909.000.– zumindest € 400.000.– mehr zu erzielen gewesen. Dieser Grundstückpreis erlaubt jedoch keine Förderung eines Wohnbauprojektes durch Land und Bund. Daher wären in diesem Fall auf dem Areal frei finanzierte Eigentumswohnungen errichtet und mit Sicherheit auch verkauft worden. Den Mehrerlös hätte man direkt in ein anderes, gefördertes Projekt in Floridsdorf fließen lassen oder etwas früher als geplant mit der Sanierung des einen oder anderen Gemeindebaues beginnen können“.

Beide Bezirkspolitiker fordern daher – vorerst – eine Prüfung des Falles durch den Stadtrechnungshof.

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