Gemeindebau-Skandal: „Wiener Wohnen“ lässt Behinderten seit dem Vorjahr in „Baustellen-Wohnung“ vegetieren – WIFF-Schimanek: „‚Wiener Wohnen‘ muss endlich umfassend vom Bundesrechnungshof geprüft werden!“

Bis zum Frühjahr 2020 war die Welt für den 30jährigen Marcel S. in seiner kleinen Floridsdorfer Gemeindewohnung in Donaufeld trotz seiner 100prozentigen Behinderung noch in Ordnung. „Dann aber wurde es in den Räumen mit der Zeit immer feuchter. Es kam zu Schimmelbildungen und ich fürchtete mich jedesmal, wenn ich mich von meiner Arbeitsstätte in einer betreuten Werkstätte auf den Heimweg machte, vor dem Nachhausekommen“, erinnert sich Marcel S. anlässlich eines Lokalaugenscheins im Gespräch mit Bezirksrat Hans Jörg Schimanek (WIFF).

Zwar habe man nach Intervention seitens „Wiener Wohnen“ die Wände mit einem Anti-Schimmel-Anstrich versehen, als Ursache habe man ihm schließlich „mangelhaftes Lüften der Wohnung“ mitgeteilt und eine Dose Anti-Schimmel-Spray überreicht. Da die Luftfeuchtigkeit trotz permanentem Lüften aber immer weiter anstieg, sei nach einer erneuten Intervention bei ‚Wiener Wohnen‘ letztlich doch eine Installationsfirma geschickt worden, um der Sache genauer auf den Grund zu gehen. „Im Dezember habe ich eine neue Küche bekommen und wenige Tage vor Weihnachten haben die von ‚Wiener Wohnen‘ geschickten Arbeiter alles aufgestemmt um letztlich festzustellen, dass die Feuchtigkeit von keinem Rohrgebrechen stammte, sondern lediglich von einer undichten Silikonabdichtung der Brausetasse. Der Fehler wurde behoben, dann sind sie unter Zurücklassung einer Baustelle gegangen, haben mir frohe Feiertage gewünscht und sind bis heute nicht mehr aufgetaucht“, so Marcel S., der zumindest die aufgestemmten Flächen in der Dusche vorerst in Eigenregie abgedeckt hat.
 
Erst nachdem sich WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek in den Fall eingeschaltet hatte, läuteten auch bei „Wiener Wohnen“ die Alarmglocken. Vor wenigen Tagen wurden die Mängel fotografiert und für die zweite Juli-Woche die Sanierung angekündigt. Für Schimanek ist dieser Fall dennoch „ein erneuter Beweis für das skandalöse Missmanagement bei ‚Wiener Wohnen‘. Die Fehlleistungen auf Kosten der Mieter und deren Lebensqualität ziehen sich wie ein ‚roter Faden‘ durch die Amtsperioden der für die Wiener Gemeindebauten einst verantwortlichen Wohnen-Stadträte Faymann und des nunmehrigen Bürgermeisters Ludwig sowie derzeit von Stadträtin Gaal (alle SPÖ). Es wäre daher tatsächlich hoch an der Zeit, zur umfassenden und vor allem detaillierten Prüfung von ‚Wiener Wohnen‘ endlich die höchste Prüfinstanz, den Bundesrechnungshof, zu Werke gehen zu lassen. Und zwar umfassend undohne ‚Wenn und Aber‘!“.
– Fotos: Franz Hödl.