„KLEINES GLÜCKSSPIEL“ SORGT FÜR AUFREGUNG IN DEN REIHEN DER FPÖ, 2011, Teil 4

BLAUE BEZIRKSRATSFRAKTION SPRICHT SICH NACH „WEISUNG VON OBEN“ FÜR SPIELAUTOMATEN AUS. ABER:  MEHRHEIT DER FPÖ-FUNKTIONÄRE UND DIE PARTEIBASIS SIND FÜR EIN VERBOT.

Allgemeine Verwunderung ausgelöst hat das NEIN der Floridsdorfer FPÖ-Bezirksratsfraktion zu einer von den Bezirksräten Hans Jörg Schimanek und Ossi Turtenwald (WIFF – Wir für Floridsdorf) in der jüngsten Sitzung des Bezirksparlaments eingebrachten Resolution. Der Inhalt dieser Resolution im Wortlaut:

DIE FLORIDSDORFER BEZIRKSVERTRETUNG SPRICHT SICH FÜR EIN RASCHEST MÖGLICHES VERBOT DES SOGENANNTEN „KLEINEN GLÜCKSSPIELS“ IN WIEN AUS. – Begründung: PRÄVENTION GEGEN SPIELSUCHT UND DARAUS RESULTIERENDE EINZEL- bzw. FAMILIENTRAGÖDIEN UND KRIMINALITÄT.

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Während diese WIFF-Resolution auch mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und Grünen beschlossen wurde, sprach sich zum Erstaunen aller Anwesenden die FPÖ-Fraktion gegen die Resolution aus – und damit für den weiteren Bestand der sogenannten „Einarmigen Banditen“ in Spielhallen und vielen Gastlokalen.

Seit Bekanntwerden des Abstimmungsverhaltens der FPÖ-Floridsdorf-Fraktion auch durch die Veröffentlichung der Kronenzeitung herrscht Unverständnis nicht nur bei den Wählern der FPÖ, sondern auch bei einem Großteil der Funktionäre. Selbst einige FPÖ-Bezirksräte, die – dem Klubzwang folgend – gegen die Resolution gestimmt hatten, sind in Wahrheit – so wie ein Großteil der blauen Basis – für ein Verbot der Spielautomaten. Denn gerade die FPÖ ist es, die sich stets nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten, an die Seite der Schwächsten in unserer Gesellschaft stellt und gegen soziale Ungerechtigkeiten ankämpft. Und gerade diese sozial Schwächsten erliegen zu Tausenden dem „Traum vom großen Glück“ an den Spielautomaten, was fast täglich zu persönlichen bzw. familiären Katastrophen führt. Denn nur wenige Spielsüchtige haben die Chance, in der bundesweit einzigen hiezu eingerichteten Klinik in Kärnten behandelt zu werden.

Was Spielsucht u. a. für Folgen hat, ist fast täglich in den Lokalteilen der Tageszeitungern zu lesen. Nicht wenige vor allem jüngere Menschen gleiten nach dem Verlust ihrer letzten Münzen am Spielautomat umgehend in die Kriminalität ab. Von Spielsüchtigen verübte Diebstähle und Raubüberfälle gehören längst zur traurigen Tagesordnung. Was noch auffällt: Automatenspielhöhlen werden immer häufiger von zumeist arbeitslosen türkischen Jugendlichen aufgesucht.

Die Ursache  des seltsamen und unerwarteten Verhaltens der Floridsdorfer FPÖ-Bezirks- und Rathausfraktion lässt sich leicht ergründen, wenn man weiß, dass der in Floridsdorf wohnende  Stadtrat und – man höre und staune – FPÖ-Gesundheitssprecher David Lasar an vorderster Front bei der Automatenlobby mitmischt und sein Geld großteils mit dem Betrieb von Spielautomaten gemacht hat. „Dieser Resolution dürft ihr nicht zustimmen!“ sollt Lasar laut Aussage von FP-Funktionären der Bezirksfraktion aufgetragen haben. Und auch dass die jüngste Ausgabe der in Wien verteilten FPÖ-Zeitung ein ganzseitiges Inserat des Spielautomatenherstellers Novomatic ziert, ist wohl kaum einem Zufall…

WIFF – Wir für  Floridsdorf wird jedenfalls weiter für ein Verbot der Spielautomaten kämpfen. Denn die Ausrede der Automatenbetreiber, bei einem Verbot würde das „Kleine Glücksspiel“ in die Illegalität abgleiten, ist leicht zu widerlegen: Magistrat und Polizei müssten zur Beschlagnahme illegaler Automaten lediglich mehr Teams einsetzen. Dann würde sich auch die Illegalität für die Betreiber bald nicht mehr rechnen.– Und wenn man sich im Wiener Rathaus dahin gehend ausredet, ein Verbot des „Kleinen Glücksspiels“ würde den Verlust von rund 60 Mio Euro jährlich an Einnahmen aus der Spielautomatensteuer bedeuten, dann gibt es  wohl nur eine Antwort: Die Stadt Wien hat nicht das  Recht, sich durch die sozial schwächsten und labilsten Bürger unserer Gesellschaft das Budget mitfinanzieren zu lassen und der daraus resultierenden Kriminalität Tür und Tor zu öffnen!

Uns von WIFF – Wir für Floridsdorf sind jedenfalls eine Reihe „verarmter“ Automatenbetreiber nicht so wichtig, wie auch nur ein einziger Mitmensch, den bzw. dessen Familie man vor einem durch Spielsucht ausgelösten dramatischen Schicksal bewahren kann. Das sollten sich auch jene Herren in der FPÖ hinter die Ohren schreiben, die mit einer Befürwortung des Automatenspiels in Wahrheit die freiheitlichen Grundprinzipien ad absurdum führen.

Hans Jörg Schimanek, Obmann von WIFF – Wir für  Floridsdorf