MA 37 und Wiener Wohnen: Überbordende Bürokratie auf Kosten von Gemeindemietern!

Weil einige Gemeindemieter der Wohnhausanlage Hahnemanngasse 3 auf den zu ihren ebenerdigen Wohnungen gehörenden Grünflächen entlang der Fensterfronten Werkzeughütterln für Rasenmäher und Gartengeräte aufgestellt haben, trat vor kurzem die MA 37/Baubehörde auf den Plan. Wiener Wohnen wurde als Liegenschaftseigentümer aufgefordert, für die Entfernung dieser Gartenhütterln zu sorgen. Gleiches gilt für den Sichtschutz, den die Bewohner der kaum vier Meter vom Gehsteig entfernten ebenerdigen Wohnungen in Form von grünen und leicht durchlässigen Planen an den Zäunen angebracht hatten.

 
Die Begründung der Behörde: In Vorgärten seien derartige Einrichtungen nicht gestattet. „Sollen wir unsere Rasenmäher etwa im Wohn- oder Schlafzimmer abstellen? Und sollen wir akzeptieren, dass uns Passanten vom Gehsteig aus – vor allem im Sommer bei zwangsläufig geöffneten Fenstern – bis in den Magen schauen können?“, fragen die Mieter. – Besonders betroffen ist Jutta K. (Name geändert), die erst vor wenigen Wochen in einer Tiefgarage Opfer einer Vergewaltigung geworden war. Seither ist sie in psychiatrischer Behandlung. „Für die Psyche der Frau ist die optische Abgrenzung ihrer Wohnung von Gehsteig und Straße durch den Sichtschutz unbedingt wichtig“, so ihr behandelnder Neurologe. Dennoch hat die Frau aus Furcht vor Sanktionen durch Wiener Wohnen diesen Sichtschutz kürzlich entfernt.
 
„Bitte helfen Sie uns!“, schrieb sie jetzt verzweifelt in einem Mail an WIFF – Wir für Floridsdorf, so WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek, der sich gemeinsam mit seinem Kollegen Bezirksrat Ossi Turtenwald umgehend vor Ort zu einem Lokalaugenschein einfand. „Und siehe da, hier dürfte die Behörde – abgesehen von menschlichen Aspekten – übers Ziel geschossen haben. Und Wiener Wohnen hat sich das zum Nachteil seiner Mieter widerspruchslos gefallen lassen“, so Schimanek und Turtenwald.
 
„Denn in tatsächlichen Vorgärten sind derartige Einrichtungen laut Bauordnung zwar nicht erlaubt, aber in diesen speziellen Fällen handelt es sich nach den Vorgaben des Gesetzes wohl um keine Vorgärten. Zu einem solchen gehören nämlich neben einer Grünfläche auch ein Zuweg zum Haus bzw. in die Wohnung. Und der ist in diesen Fällen nicht vorhanden. Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt ausschließlich durch das allgemeine Haustor!“, so die beiden Bezirkspolitiker. Sie fordern daher Wiener Wohnen auf, im Namen ihrer betroffene Mieter gegen die Aufforderungen der MA 37 – wenn nötig auch anwaltlich – vorzugehen. Und an die Adresse des für die Bauordnung zuständigen Stadtrates Ludwig (SPÖ): „Wann erkennen Sie endlich, dass eine Novellierung der Wiener Bauordnung – auch in Form einer Beseitigung zahlreicher vorhandener Unklarheiten – dringend erforderlich ist. Wir erinnern hier nur an die für die heutige Zeit völlig inakzeptable Carport-Bestimmung…“.