Nach Behörden-Großeinsatz: Asbest-Leichtsinn geht weiter

Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sowie mehrere Magistratsabteilungen der Stadt Wien hatten – WIFF berichtete – vor wenigen Tagen den Arbeiten an einem zum Abbruch vorgesehenen mehrstöckigen Gebäude auf der Wohn-Großbaustelle nächst den sogenannten „Siemensäckern“ einen „Besuch“ abgestattet. Aufgrund von Foto- und Video-Beweisen bestand – und besteht – der dringende Verdacht, dass vor Ort gegen die bei der Entsorgung von asbesthaltigen Stoffen gesetzlich vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen verstoßen wurde.

„Asbest in dem Gebäude wird durch ein SV-Gutachten bestätigt, das aus dem Gebäude geschaffte Material wird in eigene Asbest-Schutzsäcke verpackt, von Atemschutz etc. bei den Arbeitern jedoch keine Spur. Dass es sich dabei um asbesthaltiges Material handelt, steht wohl zweifelsfrei fest, denn keine Firma würde solche Behältnisse gegen sündteures Geld entsorgen lassen, wenn kein Asbest drinnen ist“, sieht Helmut Sommerer, Sprecher der Bürgerinitiative „Siemensäcker“ aus der benachbarten Siedlung „Wolfsgrube“, seine Befürchtungen bestätigt.
 
Für Sommerer unverständlich ist daher das Resümee der kürzlich vor Ort tätigen Behörden-Experten, das da verkürzt lautet: „Alles in Ordnung“. Laut Recherchen von WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek verlief der Behördentermin allerdings nicht ganz so reibungslos. Verwunderlich sei auch, so Schimanek, „dass bei Abbruch- und Demontagearbeiten in sogenannten Asbestgebäuden strengste Abschirmmaßnahmen gesetzt werden müssen, wie etwa derzeit beim ehemaligen APA–Haus in Heiligenstadt (siehe Foto), wo sämtliche Fensteröffnungen hermetisch abschlossen sind – beim asbesthaltigen Gebäude auf dem ehemaligen Siemensgelände hingegen werden die Materialien von Arbeitern ohne Schutzkleidung und Atemschutzmasken einfach bei geöffneten Fenstern und Türen hinausgeworfen!“
 
Schimanek fordert das Arbeitsinspektorat, die Baupolizei und die Wiener Umweltschutzbehörde dringend dazu auf, regelmäßig und unangekündigt Kontrollen durchzuführen und bei weiteren Verstößen den Abbruch sofort einstellen zu lassen. „Immerhin geht es da um den Schutz von Menschen, denn das Einatmen von Asbeststaub führt nach Jahren fast immer zu einem qualvollen Tod. Die zahlreichen bekannten Fälle auch bei uns in Österreich sind den Gesundheitsbehörden ja nicht unbekannt!“.