„Schnaps-Idee“ City-Maut: Wiens Langzeit-Regenten sollten vor der eigenen Tür kehren – Ablehnung von U1- und U6-Verlängerung als „Sündenfall“ der Rathaus-Politik.

Es ist unbestritten, dass vor allem in den an Niederösterreich angrenzenden Wiener Randbezirken nächst der U-Bahn das Parkproblem aus dem Ruder zu laufen droht. So etwa in Floridsdorf, wo sogar weiter entfernte Bereiche um die Endstellen von U1 und U6 von Pendlern aus Niederösterreich zum Abstellen ihrer Fahrzeuge genutzt werden. Kein Wunder, dass die dort ansässige Bevölkerung immer häufiger über die Einführung eines Parkpickerls diskutiert.

Hans Jörg Schimanek.

Hans Jörg Schimanek.

„Aber deswegen – wie die grüne Vizebürgermeisterin von SP-Gnaden, Vassilakou – gleich über eine City-Maut für Einpendler zu schwadronieren, ist sogar für einen verspäteten April-Scherz zu blöd. Die Wiener Politgranden sollten vielmehr in ihren Erinnerungen schürfen, dann würden sie flugs erkennen, wie sehr hausgemacht das Problem speziell in Floridsdorf ist“, übt WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek Kritik und versucht es mit „Erinnerungs-Nachhilfe“: „Als kurz vor der Jahrtausendwende die Verlängerung der U1 bis in die Großfeldsiedlung aktuell wurde, habe ich in meiner damaligen Funktion als NÖ-Landesrat in einer Regierungssitzung die Bereitschaft meiner Regierungskollegen wie LH Erwin Pröll (ÖVP), LHStv. Ernst Höger (SPÖ) eingeholt, der Stadt Wien eine Verlängerung der U1 nicht nur bis in die Großfeldsiedlung, sondern um eine Station weiter bis nach Süssenbrunn vorzuschlagen. Die erforderlichen Grundstücke sozusagen auf der grünen Wiese hätte Niederösterreich kostenlos bereit gestellt, ebenso eine großzügige Park&Ride-Anlage. Über eine Betriebskostenbeteiligung des Landes wäre zu verhandeln gewesen. Das Resultat: Wien hat nicht einmal darüber nachgedacht!“, so Schimanek.

 
Ein ähnlich kurzsichtiges Verhalten legten die Regierenden im Wiener Rathaus an den Tag, als es um die Situierung des unsäglichen neuen Krankenhauses SMZ Nord ging. Dazu Schimanek: „Auch in diesem Fall, dessen Verantwortliche aus meiner Sicht geradezu als Vorsatztäter zu bezeichnen sind, wurde im Wiener Rathaus ‚Beton angerührt‘. Mein Vorschlag, das neue Krankenhaus auf dem Gelände des Stammersdorfer Heeresspitals zu errichten, das Heeresspital in den Neubau zu integrieren und die U6 größtenteils in kostengünstiger Hochlage (siehe U2) zu einem zu errichtenden großen Park&Ride-Platz auf dem ‚Rendezvousberg‘ zu führen, wurde vom damaligen Heeresminister Herbert Scheibner (FPÖ) hoch positiv aufgenommen. Doch obwohl die Stadt Wien – wie schon im Fall der U1-Verlängerung bis Süssenbrunn – auch hier das Grundstück für einen Spitalsneubau kostenlos erhalten hätte, kam aus dem Wiener Rathaus ein kurzes ‚Njet!‘
 
Die Folgen solcheerr politischen Fehlleistungen müssen jetzt Teile der Wiener Bevölkerung, die täglichen Einpendler aus Niederösterreich, aber auch die zunehmende Zahl der motorisierten Wien-Besucher aus den Nachbarländern tragen“, weiß Schimanek aus der täglichen Erfahrung in Floridsdorf. Für ihn scheint zumindest der Fall rund um das SMZ-Nord aber längst nicht abgeschlossen. „Hier werden Staatsanwälte und Gerichte das letzte Wort haben. Vor allem der Nachvollzug der Geldflüsse beim Verkauf bzw. Kauf des ÖBB-Grundstücks für das SMZ-Nord, zuletzt vom Rechnungshof ob der Höhe deutlich kritisiert, dürfte für die involvierten Personen auch aus ÖBB und Politik vermutlich einige böse Überraschungen bringen“, so Hans Jörg Schimanek abschließend.
 
Fotos: Joschi Tuczai.
 
Bild: Von NÖ-Pendlern verparkte Gassen, Plätze und Straßen in der näheren und sogar weiteren Umgebung der U1-Endstelle „Leopoldau“ und der U6-Endstelle „Franz Jonas-Platz“.