Semmelweis-Areal: „Schmutziger Deal“ kein Einzelfall?

Semmelweis-Areal: „Schmutziger Deal“ kein Einzelfall? Auch in Floridsdorf stehen Grundstückverkäufe der Stadt Wien sehr in Frage.

Für ein gewaltiges Medienecho sorgt derzeit der Verkauf des sogenannten Semmelweis-Areals in Währing durch die Stadt Wien an einen privaten Investor und die „rote“ Gewerkschaft Bau-Holz. Ganz ohne Ausschreibung. Der „Schnäppchenpreis“ für 8.053 m2:  4,6 Millionen Euro. Da der Verbau von 6.500m2 Bruttogrundfläche erlaubt ist, bedeutet das einen Kaufpreis von lediglich € 710.– p. m2 für dieses Grundstück in Nobelbezirk Währing. Dort liegt der Grundstückspreis allerdings laut Immobilienpreisatlas tatsächlich bei rund € 1.600.– …Weisselbad2-8-15-Kopie
Doch diese Transaktion – offensichtlich zum Schaden der Wiener Steuerzahler – ist kein Einzelfall. Auch das ehemalige Floridsdorfer „Tröpferlbad“ direkt im Bezirkszentrum wurde – wie der Wohnen-Stadtrat und Vorsitzende der SPÖ- Floridsdorf Ludwig auf offizielle Anfrage von WIFF – Wir für Floridsdorf  zugeben musste – ohne Ausschreibung an eine Wohnbaugesellschaft verkauft. Ebenfalls zum „Schnäppchenpreis“, nämlich um schlappe € 909.000.–  für 1.483 m2 und Bauklasse  III…
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„Wir haben bei verschiedenen Immobilienfirmen mögliche Anbotspreise für dieses Areal eingeholt, die weit über dem Doppelten liegen. Zudem standen ja mit der ‚roten‘ Mietervereinigung und der Städtischen Bücherei bereits fixe Mieter der beiden künftigen Geschäftslokale fest, was den zu erzielenden Kaufpreis deutlich erhöht hätte“, orten hier die beiden WIFF-Bezirkspolitiker Hans Jörg Schimanek und Ossi Turtenwald dringend überprüfenswerte Vorgänge. „Auch durch die Staatsanwaltschaft, die ja hier ebenso wie in der Causa Semmelweis-Areal aus eigenem Antrieb tätig werden müsste. Immerhin steht nicht nur der Verdacht des Betrugs, sondern auch des Amtsmißbrauches, also eines Offizialdeliktes, im Raum. Die Ausreden, die Verkäufe seien ja vom Gemeinderat beschlossen worden, gehen ins Leere. Die Frage, ob das Gremium von den handelnden Personen auch umfassend und richtig informiert worden ist, darf da wohl bezweifelt werden“, so die beiden Bezirkspolitiker. – Besonderes „Zuckerl“ im Fall Tröpferlbad: Ludwig lässt auf Kosten der künftigen Mieter und der Wohnbauförderung einen Teil der alten Fassade des Bades erhalten und in das neue Wohnhaus integrieren. Und das, obwohl keinerlei Denkmalschutz besteht, wie Ludwig zugeben musste…
Mitterhofer-Neubau
Aber auch der Verkauf eines Grundstücks in der Floridsdorfer Mitterhofergasse an eine „befreundete“ Wohnbaugenossenschaft durch das Ludwig-Ressort erscheint mehr als hinterfragenswert. „Dort standen völlig desolate Uralt-Gemeindebauten, die abgebrochen wurden. Statt aber – wie im vergangenen Wahlkampf von Bgm. Häupl&Ludwig&Co. lauthals verkündet – wieder Gemeindebauten zu errichten, wurde das Areal einfach billig verscherbelt. Seltsam wenn man weiß, dass sich Ludwig derzeit im Bezirk auf der Suche nach geeigneten Grundstücken für die Errichtung neuer Gemeindebauten befindet und dabei sehr zum Ärger der jeweiligen Anrainer auf die ‚Verdichtung‘  bereits bestehender Gemeindewohnhausanlagen spitzt“, so Schimanek und Turtenwald abschließend.
Fotos: Joschi Tuczai