Siemensäcker: Geheimniskrämerei um Hydrogeologisches Gutachten

Bürgerinitiative fordert Herausgabe zur Überprüfung – Bauverhandlung „liegt auf Eis“.

 
Mit einer derartigen Hartnäckigkeit der „Bürgerinitiative Siemensäcker“ haben die Baumultis um die „Sozialbau“ wohl nicht gerechnet. „Bei dem in vier Bauabschnitte geteilten Großvorhaben mit 35 Meter hohen Wohntürmen wurden zahlreiche Bauplätze in den Abschnitten C und D bereits ohne Kenntnis der Siedler mit der MA 37/Baupolizei ausbaldowert. Angesichts des drohenden Grundwasserproblems wäre eine Einbindung der Siedler bei allen Bauverhandlungen sinnvoll und nötig gewesen.Grundwasser macht nämlich vor Grundstücksgrenzen nicht Halt. Zumindest die jüngste Bauverhandlung Ende Oktober für den risikoreichen Bauplatz B3 wurde vorerst ‚auf Eis‘ gelegt, bis uns das im Auftrag der Sozialbau erstellte Hydrogeologische Gutachten zur Prüfung durch einen unabhängigen Sachverständigen überreicht wird. Obwohl von der Sozialbau eine Übergabe des seit Ende 2016 vorliegenden Gutachtens in Aussicht gestellt wurde, haben wir bis heute nichts erhalten!“, berichtet BI-Sprecher Helmut Sommerer.
 
Dieses Gutachten ist von besonderer Wichtigkeit, weil die Bewohner der Siedlung Wolfsgrube befürchten, dass durch die tiefliegenden Grundmauern der geplanten Bauwerke der Grundwasserstrom und -spiegel derart beeinträchtigt würde, dass es schon bei nur kleinen Erhöhungen des Grundwasserspiegels zu Überschwemmungen in der Siedlung käme. „Seitens der Sozialbau wurde zwar 2015 anlässlich einer Bürgerveranstaltung zugesichert, dass die Fundamentplatten der Bauwerke nicht bis zum Grundwasser reichen würden. Leider ist das Gegenteil traurigen Tatsache“, so Sommerer zu WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek. Dieser erinnert an die folgenschweren Überflutungen der tief gelegenen Häuser der Siedlung Wolfsgrube vor einigen Jahren. Als einst für das Siedlungswasserwirtschaftswesen in Niederösterreich verantwortlicher Landesrat ist Schimanek aus Erfahrung überzeugt, dass die vorgesehene Versiegelung großer Flächen samt Tiefenverbauung die Grundwasserbewegungen im gegenständlichen Bereich für die angrenzende „Siedlung Wolfsgrube“ durchaus verändern könnte. „Allein schon die Tatsache, dass nur rund 15 Meter von einem der tiefst gelegenen Siedlungshäuser entfernt ein Sickerschacht für die Dach- und Oberflächenabwässer des Großbauprojekts vorgesehen ist, müsste bei Baupolizei und Hydrologen die Alarmglocken auslösen“, wundert sich Schimanek. Äußerst bedenklich erscheint dem Bezirkspolitiker letztlich auch die von BI-Sprecher Sommerer zitierte Aussage des Verhandlungsleiters der MA 37: „Ihr könnt bis vor das Verwaltungsgericht gehen, nur das nützt euch nichts – das wird gebaut!“ … – Erfreulich: Laut „Kronenzeitung“ vom 3. November haben sich zur Unterstützung der Bürgerinitiative im Wiener Gemeinderat Michael Niegl (FPÖ), Elisabeth Olischar (ÖVP) und Bettina Emmerling (NEOS) gemeinsam entschlossen, die Wiener Umweltanwältin Andrea Schnattinger beizuziehen, zumal es ja im Zuge des Flächenumwidmungsverfahrens trotz Verlangen der Bürgerinitiative keine Umweltverträglichkeitsprüfung gab.