Unmenschlich: Wiener Wohnen-„Krieg“ gegen behinderte Gemeindemieter. Nach gewaltsamer Entfernung zweier im Stiegenhaus ohne jede Behinderung abgestellter Rollatoren sind zwei 88jährige Frauen in ihren Wohnungen „eingesperrt“

Weil zwei 88jährige Pensionistinnen aus dem Floridsdorfer Gemeindebau Justgasse 29 ihre zur Fortbewegung im Freien unbedingt erforderlichen Rollatoren – ohne Behinderung für andere Hausbewohner – im Stiegenhaus deponiert hatten, hat Wiener Wohnen die zur Sicherung vor Diebstahl mit Ketten versehenen Gehilfen kurzerhand entfernt.

„Die Geräte sind doch ganz flach zusammenklappbar und behindern niemand. Jetzt können wir nicht einmal mehr zu einem kurzen Spaziergang an die Luft und sind praktisch in unseren vier Wänden eingesperrt. Man hat von uns verlangt, dass wir unsere Gehhilfen über die Stiegen hinauf in unsere Wohnungen oder wieder hinunter tragen. Wie sollen wir das denn schaffen?“, so die beiden weinenden, völlig verängstigten Frauen, die laut Wiener Wohnen für die „Entsorgung“ auch noch zur Kasse gebeten werden sollen, zu dem um Hilfe gerufenen WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek.

Beide Frauen können zwar noch mit Mühe über die Stiegen von und zu ihren Wohnungen, im Freien sind sie aber unbedingt auf Gehhilfen angewiesen. Völlig unverständlich: Die Durchgangsbreite bei den beiden abgestellten Rollatoren ist breiter als die der Hauseingangstür, bei den Postkästen oder beim Installationskasten im Stiegenhaus…
Schimanek dazu: „Mit dieser Aktion hat sich Wiener Wohnen trotz vorheriger Ankündigung wohl selbst disqualifiziert. Es ist zwar durchaus richtig, dass in Stiegenhäusern nicht Gerümpel etc. jeder Art gelagert werden darf, aber wenn auch das Abstellen von Gehhilfen ohne Behinderung Dritter in Stiegenhäusern verboten ist, hätte man den alten, ohne ihre Rollatoren hilflosen, Damen doch so wie in anderen Fällen vor dem Stiegeneingang eine kleine Abstellhütte errichten können. So nimmt man den Frauen ohne jede menschliche Regung den Lebensmut für die letzten Jahre ihres Lebens. Ich fordere Wohnen-Stadtrat Ludwig (SPÖ), selbst Floridsdorfer, dringend auf, hier ein Machtwort zu sprechen!“

Schimanek schlägt vor, die Rollatoren bis zur Errichtung einer Abstellhütte wieder im Stiegenhaus zu deponieren.

 

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Fotos: Gerhard Doppler, Hermine Nossek, Edith Weilguni