SMZ Nord:  WIFF-Ruf nach dem Rechnungshof jetzt endlich Realität

Bundesprüfer werden skandalöse Zustände beim Bau des neuen Krankenhauses SMZ Nord an der Brünner Straße untersuchen.

Seit Jahren fordern die WIFF-Bezirkspolitiker Hans Jörg Schimanek und Ossi Turtenwald eine Prüfung der skandalumwitterten Errichtung des „modernsten Krankenhauses Europas“ (Rathaus-Definition) durch den Bundesrechnungshof – jetzt ist es endlich so weit. Die FPÖ hat sich den Forderungen von WIFF angeschlossen und – wie in der Stadtverfassung vorgesehen mit mehr als einem Drittel der Mandate ausgestattet – die Einschaltung der obersten Prüfer der Republik in die Wege geleitet.
„Hoch an der Zeit, damit durch Schlamperei und Ahnungslosigkeit nicht noch viel mehr Millionen als schon bisher verloren gehen“, sagt Bezirksrat Hans Jörg Schimanek. Aus seiner Sicht müsste die lückenlose Prüfung durch den Bundesrechnungshof schon ab der ersten Ausschreibung vor mehr als 15 Jahren erfolgen. Denn es sei völlig unverständlich, wie der wohl ungeeignetste Standort just zwischen zwei Bahnlinien den Zuschlag erhalten konnte.
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Wie WIFF bereits mehrmals berichtet hat, sollte das neue Krankenhaus bereits im Jahr 2011 in Betrieb gehen. „Im Jahr 2001 hat mir Univ.-Prof. Dr. Zweymüller, damals Chef des Orthopädischen Krankenhauses Gersthof, empört ein ohne sein Wissen im Eingangsbereich seiner Klinik angebrachtes knallgelbes Plakat gezeigt, auf dem zu lesen stand:
‚Liebe Patientinnen und Patienten!
Dieses Krankenhaus wird im Jahr 2011 geschlossen und übersiedelt in das neue SMZ Nord nach Floridsdorf.
Stadträtin Renate Brauner‘ „
erinnert sich Schimanek.
Bei der damaligen ersten Ausschreibung des Projektes hatte es drei Bietergruppen gegeben, die auch einen geeigneten Standort beibringen mussten.SMZ Nord-1 (1)
1. Standort Heeresspital (Bietergruppe: Raiffeisen / VAMED)
2. Standort auf dem ehemaligen Pauker-Gelände an der Siemensstraße (Bieter: Siemens)
3. Standort auf dem ÖBB-Gelände an der Brünner Straße (Bietergruppe: PORR / ÖBB)
Den Zuschlag erhielt bei dieser ersten Ausschreibung allerdings nicht der wohl idealste Standort beim Heeresspital, das man ja auch gleich in einen Neubau integrieren hätte können (die Stadt Wien lehnte einen Vorschlag des Bundesheeres/BM Herbert Schreibner allerdings ab…). Sieger der Ausschreibung wurde das Projekt PORR/ÖBB.
Gegen diese unverständliche Entscheidung brachten die beiden anderen Bietergruppen umgehend Beschwerden beim Bundesvergabeamt ein, was schließlich zu einer damals für Experten nicht unerwarteten Aufhebung der gesamten Ausschreibung führte.
„Danach wurde viel Zeit verloren, ehe es zu einer neuerlichen Ausschreibung kam, an der sich aber seltsamer Weise nur noch ein Bieterkonsortium beteiligte. Weil aber die vorgelegte Kostenrechnung damals selbst der einer gewissen Verschwendungssucht nicht gerade abholden Stadtspitze die ‚Grausbirnen‘ aufsteigen ließ, zogen  Bürgermeister und Stadtsenat die Ausschreibung letztlich von sich aus zurück und versuchten ihr ‚Glück‘ in Eigenregie“, erinnert sich Hans Jörg Schimanek.Radrettung
Das Ergebnis: Ein Krankenhausbau auf einem höchst unzweckmäßigen Standort, eingeengt zwischen zwei Bahnlinien. Und just dort, wo der Unterboden durch die Waschanlage für Ölwaggons während des 2. Weltkrieges stark kontaminiert ist. „Kein Wunder, dass man da auf die Errichtung einer durchaus zweckmäßig erschienenen mehrstöckigen Tiefgarage verzichtet hat“, so der WIFF-Politiker.
Welche Folgen ein derartig wichtiges und aufwändiges Bauvorhaben zeitigt, wenn als Bauherr die Stadt Wien bzw. eine ihrer ausgelagerten Gesellschaften (Krankenanstaltenverbund – KAV) in Eigenregie auftreten, ist seit Jahren an den Skandalen samt Kostenexplosion rund um den Bau des SMZ Nord ebenso erkennbar, wie etwa auch an den Skandalen um das Stadthallenbad oder den Flughafen Schwechat. Jetzt sei nur zu hoffen, dass der bevorstehende Wechsel an der Spitze des Bundesrechnungshofes keinen Einfluss auf Umfang und Qualität der Prüfung haben wird, geben sich die beiden WIFF-Bezirksräte Hans Jörg Schimanek und Ossi Turtenwald ein wenig skeptisch.
Fotos: Joschi Tuczai (2)