Strebersdorfer Straße / Lieleggweg: Wie vor den Augen der Baubehörde aus einem geplanten Einfamilienhaus  mit Satteldach und ohne Balkon eine ägyptische Flachdach-Villa wird…

Welch seltsame Auslegungsvarianten die Wiener Bauordnung u. a. bei Planung und Errichtung von Einfamilienhäusern angeblich zulässt und welche laut eben dieser Bauordnung verlangten  „toleranzlosen Mindestmaße“ bei einzuhaltenden Abständen zu Nachbargrundstücken von der Behörde „übersehen“ werden können, zeigt sich derzeit am Beispiel der Errichtung eines binnen einem Jahr vom behördlich eingereichten und genehmigten Einfamilienhaus mit Satteldach und ohne Balkon (Bild 1 und 2)  zu einer ägyptischen Flachdachvilla mit gleich zwei Balkonen mutierten Bauwerkes (Bild 3 ,4 und 5) in der Strebersdorfer Straße 47.

Am 28. Juli 2014 wurde in einer Bauverhandlung bei der MA 37 in Anwesenheit auch der laut Bauordnung zu ladenden Anrainer der Bauplan für das eingereichte Einfamilienhaus mit Satteldach und ohne Balkon auf dem Grundstück Strebersdorfer Straße 47 positiv beurteilt und danach genehmigt. Selbstverständlich auch unter Berücksichtigung des – laut Bauordnung bindend vorgegebenen – „toleranzlos einzuhaltenden Drei-Meter-Abstandes“ zu Nachbargrundstücken.
Im Zuge des Baufortschrittes mussten die Anrainer jedoch erkennen, dass das werdende Bauwerk eigentlich mit dem eingereichten Projekt überhaupt nichts mehr gemeinsam hat. Zahlreiche Kontakte mit der Baupolizei und auch der Volksanwaltschaft verliefen  danach erfolglos im Sand und gipfelten zuletzt in zwei behördlichen Feststellungen:
Einreichplan1
Einreichplan2
1.
Die am 19. März 2015 eingereichten Änderungen an der äußeren Gestaltung des Einfamilienhauses wurde mit Bescheid vom 24. April 2015 bewilligt. Da es sich um „kleinere Abweichungen“ von der ursprünglichen Bewilligung handelt, sei auch keine weitere Bauverhandlung – sprich Information und Anhörung der Anrainer – erforderlich gewesen.
2.
Es konnten laut Werkmeister G. (MA 37) „bei einem Ortsaugenschein keine Unterschreitungen des gesetzlichen Abstandes von 3m zur Grundgrenze festgestellt werden“.
WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek, von den betroffenen Anrainern um Unterstützung ersucht, ist nach Studium der vorliegenden Unterlagen zu einem für die Behörde nicht gerade erfreulichen Ergebnis gekommen:
„Was die Behörde unter ‚kleineren Abweichungen vom ursprünglichen Einreichplan‘ versteht, bedarf zusätzlich zu den ursprünglichen Einreichplänen und dem nunmehrigen Zustand in der Natur (siehe Fotos) wohl keines Kommentars. Zu den Ausführungen des Herrn Werkmeisters G., die Behörde habe bei einem Ortsaugenschein keine Unterschreitung des gesetzlichen Abstandes von 3m zur Grundgrenze feststellen können, verweise ich auf das von den Anrainern in Auftrag gegebene Vermessungsgutachten eines befugten Ziviltechnikers, in dem das Gegenteil der behördlichen Feststellung bestätigt wird“.
Lielegweg4
Lielegweg5
Mehr als seltsam erscheint bei diesem Projekt auch die Gestaltung des Vorgartens (Bild 6), ausgeführt ausschließlich als Steinboden. Immerhin ist in der Wiener Bauordnung (§ 79) von „gärtnerischer Ausgestaltung“  und der Bestimmung „Befestigte Wege und Zufahrten…uä. sind nur im unbedingt erforderlichen Ausmaß zulässig“ die Rede.
Schimanek dazu: „Angesichts dieser Bestimmungen der Wiener Bauordnung kommt einer weiteren schriftlichen Ausführung des Herrn Werkmeister G. – diesmal zum gegenständlichen Vorgarten – eine höchst aufklärungsbedürftige Bedeutung zu. Immerhin schreibt der Beamte:‚Bzgl. Gestaltung des Vorgartens kann keine Aussage getroffen werden, da noch keine Fertigstellungsanzeige eingebracht wurde und die Bauführung noch im Gange ist‘. Hat denn den Herrn Werkmeister anlässlich seines Ortsaugenscheines die Ausgestaltung des Vorgartens und die Frage, ob dies der Wiener Bauordnung entspricht, überhaupt nicht interessiert?“
Abschließend verweist der WIFF-Politiker auf die unbeugsame Strenge der Behörde im Falle der zwar längst zeitgemäßen, aber nach der in diesem Punkt völlig veralteten Wiener Bauordnung „schwarz“ errichteten Carports in ganz Wien hin. „Hier wird ganz offensichtlich mit zwei völlig ungleichen Maßstäben gemessen“. WIFF fordert daher eine umfassende Untersuchung des Bauaktes Strebersdorfer Straße 47 „und“ – so Schimanek – eine rasche Novellierung der veralteten Carport-Bestimmungen in der Wiener Bauordnung“.
Lielegweg6
Lielegweg7