Univ.-Prof. Andrea Tannapfel (Uni Bochum): „Einatmen von Asbeststaub ist lebensgefährlich“

„Causa Interspar-Abbruch – Asbestbelastung“. Univ.-Prof. Andrea Tannapfel (Uni Bochum): „Einatmen von Asbeststaub ist lebensgefährlich“. Asbest-Experte Gerhard Citrich (D): „Asbest kommt einer tödlichen Waffe gleich – Behörden schauen oft nur zu statt zu Handeln und werden so zu Schreibtischtätern“.

„Die neuen Sitz- und Liegegelegenheiten vor dem Amtshaus Am Spitz wurden ‚gerade zur richtigen Zeit‘ aufgestellt. Die tägliche Staubbelastung durch den Interspar-Abbruch macht ein angenehmes Verweilen auf diesem Platz praktisch unmöglich. Selbst wenn Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer solchen Ausgabe aus dem Steuertopf nicht von der Hand zu weisen sind: Hätte man mit der Aufstellung dieser neuen Sitz- und Liegegelegenheiten auf dem Vorplatz unseres Amtshauses nicht wenigstens bis zum Ende der Abbrucharbeiten beim ehemaligen Interspar-Komplex warten können“, fragt wohl nicht nur WIFF-Bezirksrat Ossi Turtenwald.Interspar-Schutt1 (1)

Tatsächlich müssten die Sitzbänke und Liegen ob der Staubverschmutzung schon bei leichtem Wind im Stundentakt gesäubert werden. „Zudem ist ein Aufenthalt im Bezirkszentrum keinesfalls ratsam, auch wenn die Behörde nach – wie sie sagt – ‚augenscheinlicher Begutachtung‘ dem Interspar-Abbruchareal ‚Asbestfreiheit‘ attestiert“, so Turtenwald.

Auch WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek verweist erneut auf die großen Gefahren durch Einatmen von asbestbelastetem Staub: „Univ.-Prof. Andrea Tannapfel von der Uni Bochum bezeichnet Asbest in der ARD-Sendung ‚Panorama‘ als lebensgefährlich. (Link: https://daserste.ndr.de/panorama/suche181.html?query=asbest&subsite=panorama+) Der durch Einatmen auch nur geringer Mengen asbestbelastetem Staubes ausbrechende Rippenfell-Krebs habe sehr schlechte Heilungsprognosen. Dies müsste doch ausreichen, damit unsere zuständigen Behörden statt Augenscheinbegutachtungen umgehend intensive Probennahmen veranlassen!“Interspar1-Abbr.

Besonders deutlich wird der deutsche Asbest-Experte Gerhard Citrich und geht mit den Behörden ins Gericht. „Statt zu Handeln, schauen die Behörden oft nur zu und sind so zu Schreibtischtätern geworden“. Es gebe bei den in den 60er bis 80er Jahren errichteten Gebäuden kaum eines, wo beim Bau nicht Asbestmaterial verwendet worden sei. Damals habe man leider noch nicht gewusst, dass Asbest eine tödliche Waffe sei.

„Angesichts solcher Aussagen müsste bei unseren Bau- und Gesundheitsbehörden doch Alarmstufe Eins herrschen. Noch dazu, wo jeder Experte weiß, in welchen Jahren Asbest zu den beliebtesten Baustoffen zählte. Wir von WIFF maßen uns keinesfalls Expertenwissen an. Aber Feststellungen wie jene der hier angeführten deutschen Fachleute und auch von Medizinern und Bautechnikern in Österreich fordern sofortiges Handeln“, so Schimanek abschließend.

Wie berichtet, hatte WIFF-Wir für Floridsdorf an der Interspar-Baustelle am 21. April 2015 eine verdeckte Probennahme durchgeführt und beim Umweltbundesamt eine Analyse des Materials in Auftrag geben lassen. Das Ergebnis vom 8. Mai 2015: Die aus dem Abbruchmaterial entnommene Probe ist asbestbelastet.

Umwelt-BA4