Wird das im Bau befindliche SMZ Nord zum Skandal à la Skylink Schwechat? WIFF – Wir für Floridsdorf fordert rasche Aufklärung von A – Z

Der Bau des neuen Floridsdorfer Krankenhauses SMZ Nord droht zu einem Drama a la Skylink (Flughafenskandal in Schwechat) auszuarten. Statt – wie von der damaligen Finanzstadträtin Brauner bereits 2002 lautstark angekündigten Eröffnung im Jahr 2011 (!) – steht derzeit nach wie vor nicht einmal der Rohbau zur Gänze. Laut damaligen Berechnungen sollte das SMZ Nord mit rund 950 Betten bei 650 Mio Euro kosten, derzeit liegen die serösen Kostenschätzungen schon nahe der Milliardengrenze. Und wie es bereits die Spatzen von den Dächern pfeifen, geht der Stadt Wien für die Fertigstellung  langsam aber sicher das Geld aus (siehe auch Berichte in „Die Presse“ und Kurier“).
WIFF-Parteiobmann Hans Jörg Schimanek: „Die Verantwortlichen für dieses Desaster sitzen im und im Dunstkreis des Wiener Rathauses. Dort hat man sich offenbar schon lange vor der Ausschreibung des Projektes auf den nunmehrigen Standort auf dem ÖBB-Gelände festgelegt. Dabei hätten sich die Bundesheer-Gründe beim Stammersdorfer Heeresspital als wohl idealer Standort geradezu angeboten. Das Bundesministerium hat damals Grünes Licht mit der Stadt Wien gegeben, zumal ja die Integrierung des Heeresspitals in das neue SMZ Nord durchaus Sinn gemacht hätte.

Und mit der Verlängerung der U6 in preisgünstiger Hochlage hätte man einen doppelten Vorteil ziehen können. Erstens eine adäquate Verkehrsanbindung des neuen Krankenhauses und zweitens hätte man den motorisierten täglichen Pendlerstrom in Richtung Stadtinneres schon an der Endstelle mit einer großen Park&Ride-Fläche großteils auffangen können“.

SMZ-Nord-Brücke1 Kopie
Schlampereien bei der ersten Ausschreibung haben in der Folge zu einem beinahe dreijährigen Zeitverlust geführt, weitere zumindest drei Jahre gingen bei der dilletantischen Handhabung der zweiten Ausschreibung und deren Folgen verloren. „Geradezu peinlich mutet es an, wie die Verantwortlichen auf die jüngsten kritischen Medienberichte zum SMZ Nord reagiert haben. Mit einer Serie von Jubelinseraten und damit verbundener ‚wohlwollender“ Berichterstattung hat man versucht, der berechtigten Kritik entgegen zu wirken. Kosten, die dem ohnehin klammen Baubudget für das SMZ Nord entzogen werden“, ärgert sich Schimanek.

Das „Zwischenbrücken-Krankenhaus“ (siehe Bilder) samt einer Kurzdokumentation über das SMZ Nord:

CHRONOLOGIE UND ANMERKUNGEN ZUM GEPLANTEN SMZ NORD / FLORIDSDORF

von Bezirksrat Hans Jörg Schimanek (WIFF – Wir für Floridsdorf):

Da das Projekt EU-weit ausgeschrieben werden musste, hat man von etwaigen Bietern auch die Beibringung eines geeigneten Grundstückes verlangt, um eine Wertschöpfung in

Österreich zu sichern und sich vornehmlich gegen Anbote etwa aus Spanien, Portugal, Eng- land etc. zu schützen.

2004 erfolgte die erste Ausschreibung, an der sich drei Bieter beteiligt haben, die sich zuvor auf die ihnen vorgesehenen Grundstücken Optionen gesichert hatten bzw. sind die Pauker-Gründe ja Siemens-Eigentum.

SMZ-Nord-Brücke2 Kopie1. Das Konsortium VAMED/Raiffeisen (Grundstück nächst dem Stammersdorfer Heeresspital, Verteidigungsminister Scheibner hatte damals “Grünes Licht” für Verhandlungen mit der Stadt Wien gegeben, weil man das Heeresspital in das neue SMZ Nord integrieren hätte können).

2. Siemens (Grundstück ehemalige Paukergründe an der Siemensstraße).

3. Das Konsortium PORR/ÖBB (Grundstück auf dem ÖBB-Gelände an der Brünner Straße). Den Zuschlag erhielt das Konsortioum PORR/ÖBB.

Diese Entscheidung wurde von den beiden anderen Bietern angefochten – das Bundesvergabeamt hob schließlich die Entscheidung auf, weshalb es zu einer Neuausschreibung kommen musste.

In der Planung 2008 hieß es noch, das 850-Betten-”Superspital” (O-Ton KAV) werde 605

Mio Euro kosten und 2014 in Betrieb gehen (siehe auch “Kurier” vom 1. Dezember 2010, Seite 21), doch erst 2009 erfolgte die Neuausschreibung, bei der nur ein einziger Bieter auf den Plan trat: das Konsortium PORR, Siemens und VAMED mit dem ÖBB-Grundstück an der Brünner Straße.

Allerdings hatten sich die Kosten gegenüber den ersten Ausschreibungsanboten extrem erhöht (kein Wunder bei nur einem Anbieter…), sodass schließlich die Verhandlungen scheiterten und die Stadt Wien das Grundstück selbst gekauft hat (siehe auch Kronenzeitung vom 5. Februar 2011, Seiten 20/21).

Anmerkung: Glaublich 2003 oder 2004 bat mich der damalige Chef der Orthopäd. Klinik Gersthof, Prof. Zweymüller, um Hilfe. Er zeigte mir empört Plakate, die in “seiner” Klinik an Türen und “Schwarzen Brettern” ohne sein Wissen angebracht worden waren. Aufschrift: “Liebe Patientinnen und Patienten! Dieses Krankenhaus wird im Jahr 2011 geschlossen und übersiedelt nahtlos in das neue SMZ Nord nach Floridsdorf. Gez. Renate Brauner, Stadträtin…

Bei einer EU–weiten Ausschreibung ohne Grundstücksbereitstellung hätte es durchaus sein können, dass die Billigstbieter aus dem Ausland gekommen wären und den Zuschlag erhalten hätten müssen. Andernfalls wäre es neuerlich zu Einsprüchen, zu einer Aufhebung diesmal durch Brüssel und damit zu weiteren Jahre langen Verzögerungen gekommen. Die Stadt Wien als nunmehriger Grundstückeigentümer hat schließlich die Ausschreibungen “gestückelt um Europa “zu entgehen”.

ALLGEMEINE ANMERKUNGEN aus meiner Sicht:

Der idealste Standort wäre beim Stammersdorfer Heeresspital “auf der grünen Wiese” gewesen. Sinnvolll auch wegen der möglichen Eingliederung der dortigen BH-Einrichtung. Zudem hätte man dadurch auch die Verlängerung der U-Bahn (U6) – größtenteils in kostgengünstiger Hochlage bis nach Stammersdorf (Rendezvousberg) forcieren, den Infrastrukturanforderungen Tausender neuer Bewohner des Gebietes Rechnung tragen und vor allem auch den täglichen Pendlerstrom aus NÖ auffangen können.

Der nunmehr vorgesehene Standort hat zahlreiche Nachteile:

Das Grundstück war vor und während des Krieges ein Eisenbahnknoten samt Öl-Verladeplatz. Hier gingen unzählige Bombenteppiche nieder, das Erdreich ist ölverseucht. Augenzeugen berichteten, dass während des Krieges vor dem Neubeladen der Kesselwaggons die beim Entladen in den Kesseln verbliebenen Ölreste und Ölschlämme kurzerhand im Boden entsorgt wurden.

Um eine komplette Sanierung des Untergrundes zu sparen, wird das Krankenhaus voraussichtlich auch nur ein einziges Tiefgaragengeschoss erhalten.

Wenig sinnvoll erscheint es mir auch, wenn Patienten in einem Spital direkt an dem auch heute noch betriebenen Eisenbahnknoten (Personen- und Güterzüge, S-Bahn) untergebracht warden bzw. Das Personal dort arbeiten muss.

Eine etwaige Ausweitung des Spitals mit dem einen oder anderen Pavillon ist aus Platzgründen nicht möglich.

Die für ein derartiges Krankenhaus unbedingt erforderliche Verkehrsanbindung ist keinesfalls gegeben. Die Intervalle der S-Bahn könnten – wenn überhaupt – nur minimal verkürzt werden, S-Bahn und Straßenbahn sind keinesfalls ein ausreichender Ersatz für eine U-Bahn. Zwar sollen die Pläne für die Verlängerung der U6 vom Franz Jonas-Platz bis zum neuen Krankenhaus bereits in der Schublade liegen, doch eine Verwirklichung gemeinsam mit dem Krankenhaus – auch wenn dies erst 2017 oder 2018 fertig sein sollte – erscheint aus heutiger Sicht unmöglich.