Wohnhausanlage „Florasdorf“: Nach verfehlter Planung macht Lärmhölle viele Bewohner krank.

Noch ist der Jubel der roten Floridsdorfer Politszene über das „geglückte Wohnbauvorhaben Florasdorf“ der SPÖ-nahen Genossenschaft „Neues Leben“ zwischen Nordbrückentrasse und Prager Straße in bester Erinnerung, kommen einige Mieter schon kurz nach Bezug ihres neuen Zuhause Tag für Tag und vor allem Nacht für Nacht zu der Überzeugung, mit der Unterzeichnung des Mietvertrages einen folgenschweren Fehler begangen zu haben.

„Die Fenster meiner Wohn- und Schlafräume sind zur vorgelagerten Loggia ausgerichtet und auch nur von dort zu belüften. Und direkt vor der leider offenen Loggia spielt sich tagtäglich und Nacht für Nacht der Verkehr der vierbahnigen Nordbrückentrasse, der Brückenzufahrt und der Abfahrt zur Prager Straße hin ab. Schlafen, Fernsehen oder ruhiges Lesen in der Wohnung ist ausschließlich bei geschlossenen Fenstern und Loggia-Türen möglich. Bei Temperaturen ab 20 Grad also praktisch unmöglich, weil man in der Wohnung sonst erstickt“, schildert Selina D. ihre und die Situation anderer Mitbewohner anlässlich eines Lokalaugenscheins mit WIFF-Bezirksrat Hans Jörg Schimanek.
 
„Eine vor dem Kaufabschluss von mir erbetene Vorbesichtigung der Wohnung wurde von der Hausverwaltung nicht genehmigt, ich habe mich dann halt einfach auf das Prospektmaterial der Genossenschaft verlassen. In die Wohnung hinein durfte ich erstmals nach Unterzeichnung des Mietvertrages und der Schlüsselübergabe. Aber auch alle Mitbewohner waren damals wohl ebenso froh wie ich, endlich eine neue Wohnung zu haben“, so die junge Frau, die sich seit Wochen gemeinsam mit anderen Mietern vergeblich bemüht, eine Genehmigung für die Errichtung von Glasschiebewänden als Schallschutz an ihrer Loggia zu erhalten.
 
„Wir alle würden uns das sogar selbst bezahlen, aber seitens der Hausverwaltung heißt es nur: Nein, das wird nicht erlaubt!“, wundert sich Selina D. und führt Schimanek in die beiden Obergeschosse ihrer Stiege. „Dort sind die Wohnungen nicht zu den Autotrassen, sondern ins Innere der Wohnhausanlage ausgerichtet. Lediglich von den Zugängen sieht und hört man den Verkehr auf den Autotrassen. Allerdings sehr gedämpft, denn diese Zugänge sind seltsamer Weise mittels Glasschiebewänden gegen den Lärm geschützt“, so der Bezirkspolitiker nach der Vor-Ort-Begutachtung. Daher seine Forderung an die Wohnbaugenossenschaft „Neues Leben“ (eine Tochter der „Sozialbau“) und deren Hausverwaltung „Siedlungsunion“: „Lassen Sie umgehend und vor allem auf Genossenschaftskosten an den gegenständlichen Loggien Glasschiebewände installieren. Immerhin gelten die etwa zehn Quadratmeter großen Loggien ja als Wohnfläche und werden bei der Miete auch als Wohnfläche – in den gegenständlichen Fällen aber nicht nutzbar – berechnet. Zudem sollte auch der Fehler beim Einbau der Badezimmertüren behoben werden. Diese sind nämlich falsch angeschlagen!“, so der WIFF-Bezirkspolitiker abschließend.